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Zurück zur Übersicht :: Druckversion Die Botschaft des DGB zum 1. Mai 2007: "Du hast mehr verdient!" - naemlich einen gesetzlich garantierten Mindestlohn von 7 Euro 50 GegenStandpunkt – Kein Kommentar im Freien Radio für
Stuttgart vom 16. Mai 2007
Der DGB-Aufruf zum 1. Mai
2007: „Du hast mehr verdient!“ Mitten in die Aufschwungsmeldungen und laufenden
Tarifverhandlungen platzt der DGB mit seinem Aufruf zum 1. Mai 2007. „Die
Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt kommt endlich in Bewegung. Die Arbeitnehmer
haben diesen Aufschwung hart erarbeitet – und wollen endlich ihren verdienten
Anteil. ... Wir wollen deutlich und nachhaltig am Aufschwung teilhaben.“ (alle
Zitate aus dem DGB-Aufruf zum 1. Mai 2007 und der Rede des DGB-Vorsitzenden
Michael Sommer) ‚Wann, wenn nicht jetzt‘, müssen sich die DGB-Funktionäre
gedacht haben, ist nach all den mageren Jahren zuvor die Gelegenheit, mal
wieder für eine ordentliche Besserstellung aller sozial Schwachen in
dieser Republik zu demonstrieren: „Du hast mehr verdient! Eine entschlossene Drohung an die Reichen und Mächtigen
dieses Landes, die Demonstration einer irgendwie ernst gemeinten
Kampfbereitschaft für die zahllosen Opfer von Krise und Aufschwung in
Deutschland – das war vom DGB ja nicht direkt zu erwarten, auch wenn es
heutzutage doch eigentlich mehr Gründe denn je dafür gäbe. DGB-Chef Sommer: „Massenarbeitslosigkeit,
Privatisierung sozialer Sicherung, […] Millionen arbeiten in diesem Land für
Hungerlöhne. Sie haben etwas gelernt, sie arbeiten hart und sie können sich und
ihre Familien doch von ihrem Lohn nicht über Wasser halten. Rentenkürzungen,
Schutzlosigkeit und unerträgliche Arbeitsbedingungen, usw. usf.“ Und jetzt?
„Das ist und bleibt ein Skandal. Jeder Tag, der ins Land geht, ohne dass etwas
dagegen getan wird, ist einer zu viel.“ Ach, und das sagt ein DGB-Vorsitzender
lautstark in die Mikrophone, ohne auch nur einen Moment lang rot zu werden und
ohne von seinen Zuhörern ausgepfiffen zu werden: An keiner Stelle und
kein einziges Mal hat der DGB auch nur im Ansatz probiert, seine
immerhin noch vorhandene Organisationsmacht einzusetzen, um die Zumutungen der
Gegenseite abzuwehren; er ist noch nicht mal auf den Gedanken gekommen, mit den
versammelten 5–7 Millionen Mitgliedern den sozialen
Frieden dieser Republik mal ein bisschen zu stören; jahrelang hat er mit seinen
Einzelgewerkschaften nicht bloß tatenlos zugeschaut, wie millionenfach
Stundenlöhne von 2 bis 4 Euro durchgesetzt werden (von wegen „sittenwidrige“
Löhne!), sondern hat zigfach an deren tarifvertraglicher Verallgemeinerung
mitgewirkt. Und jetzt stellt er sich hin als die Organisation derer, die
irgendwie ohnmächtig geworden sind, um dann den verelendeten „Kolleginnen
und Kollegen“ zurufen, dass sie eigentlich mehr als ihre
tatsächlichen Hungerlöhne verdient hätten: „Du hast mehr verdient!“ Da steigt die Spannung schwer, wie dieser Bund sein „wichtigstes
Ziel“ im Kampf um soziale Gerechtigkeit, „die Abschaffung von
Armutslöhnen“, denn überhaupt noch durchzusetzen gedenkt. Aber ein auf den
politischen Frieden abonnierter Gewerkschaftsführer ist dann doch immer wieder
für eine Überraschung gut: „Das Problem ist bekannt. Wir haben die Lösung
benannt. Solange Land auf Land ab Arbeitgeber ihre Beschäftigten mit
Hungerlöhnen ausbeuten, so lange…“ – ja, wer, bitte schön, ist dann
gefordert? – „so lange bleibt der Staat gefordert, zu handeln. Was wir in
diesem Land brauchen, sind nicht selbst ernannte Arbeiterführer, sondern sozial
gerecht handelnde Politiker.“ Agenda 2010, Hartz IV usw. War da irgendwas?
Was ist denn mit all den Arbeits- und Sozialgesetzen, die deutsche Politiker
aus allen regierenden Parteien inkl. der SPD seit Jahren durchsetzen, um Löhne
und Sozialleistungen massiv und in breiter Front abzusenken? Reicht es nicht,
dass ein fester Schulterschluss zwischen Regierung und Unternehmern praktiziert
wird, damit in Deutschland Arbeit so billig wird, dass das oben geschilderte
Massenelend zur Gewohnheit in diesem Land wird? Man weiß gar nicht, ob man
lachen oder weinen soll: Um eine besonders schwerwiegenden Fall von
Gedächtnisverlust wird es sich beim DGB-Chef ja nicht handeln, fünf Minuten
vorher hat Sommer ja selbst noch die regierende Große Koalition „der
Arroganz der Macht“ geziehen – und jetzt wendet er sich an haargenau dieselben
Politiker um Hilfe und Beistand, moralisch fordernd und vertrauensvoll, damit die
– ausgerechnet die! – durchsetzen, was den von seinem DGB vertretenen
Arbeitern zusteht. Bei den Politikern ist er andererseits schon genau an der
richtigen Adresse, weil das, was er für seine Klientel fordert, ja nichts
anderes ist, als das, was die sozial handelnden Politiker auf die Tagesordnung
gesetzt haben: Es soll eine Untergrenze beim Lohnsenken geben. Aber so ticken moderne deutsche Arbeitervertreter nun
einmal: Ums Verrecken wollen sie der demokratischen Staatsmacht keinen
Gegensatz aufmachen, auch wenn die wirklich keinen Zweifel am Klassencharakter
ihrer Politik aufkommen lässt; unbeirrbar und durch keine Erfahrung belehrbar
wollen sie den Mächtigen im Lande durch ganz viel konstruktiven und
verantwortlichen Geist nahe bringen, dass das Interesse der Arbeitgeber und das
Interesse an einem auskömmlichen Lohn doch irgendwie zusammengehen können
müssten, und passen darüber ihre Forderungen Zug um Zug den Bedürfnissen
der herrschenden Klasse an, damit sie ja nicht unangenehm auffallen. Der DGB
versteht sich selbst als die Partei der Arbeit, als die Vertretung der
deutschen Arbeitnehmer, er reklamiert seine Zuständigkeit für deren Belange.
Dafür deutet er anklagend auf ihre schlechte Lage – wenn er dann aber die Politik
zum Handeln auffordert, wird klar, als was er seine Klientel betrachtet:
Das sind lauter Sozialfälle, die er zwar vertritt, an deren Schicksal
aber er nichts ändern kann, sondern für die er nur an den Sozialstaat
appellieren kann. Dementsprechend sieht der Vorschlag des DGB auch aus: Wie
viel haben denn die „Millionen Ausgebeuteten“ seiner Meinung nach „mehr
verdient“, damit sie „ein Leben in Würde“ führen können? Halt
ungefähr genau so viel, wie der Vorschlag des sozialdemokratischen
Arbeitsministers Müntefering vorsieht, wenn der in die Koalitionsverhandlungen
um einen Mindestlohn geht. Mehr als das, das berühmte ‚politisch Machbare‘ will
auch der DGB am „Tag der Arbeit“ nicht verlangen, auch wenn es das Schäbigste
vom Schäbigen ist: „Niemand in diesem Land soll für weniger als 7,50 €
in der Stunde arbeiten.“ Sieben fünfzig die Stunde, 1.200 brutto im Monat,
das muss, gewerkschaftlich gut ausgerechnet, „zum Leben reichen“. Da
fangen der „Respekt“ und die „gute Arbeit“ an, und da
hören die skandalöse „Ausbeutung und Armut“ auf. Bevor nämlich ein deutscher
Arbeiterführer in der Forderung eines Mindesteinkommens auch nur eine
Sekunde lang an die Bedürfnisse der arbeitenden Menschheit denkt, sorgt er sich
längst um weit wichtigere gewerkschaftliche Güter – um die Verträglichkeit
seines Mindestlohns mit den Interessen von Staat und Kapital. Darum reicht ihm
die schlechte Lage der von ihm Vertretenen auch nicht als Rechtfertigung,
vielmehr muss er sich noch auf ein staatliches Anliegen berufen: „Dieser
Mindestlohn zerstört keine Arbeit, sondern ist ein gutes Instrument zur
Bekämpfung von Schwarzarbeit“. Und wenn das alles immer noch nichts nützt, dann
wird der DGB aber ganz böse und droht: „Das machen wir zu einem zentralen
Wahlkampfthema bei der nächsten Bundestagswahl.“ Da werden Merkel und Münte
aber zittern! Mitschnitt der Radiosendung: http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=16848
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