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GegenStandpunkt: Kein Kommentar! vom 17.05.07, 18 Uhr

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Chávez’ "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" - eine Hoffnung für die europ. Linke?

GegenStandpunkt – Kein Kommentar im Freien Radio für Stuttgart vom 16. Mai 2007

Teil 2:
Chávez’ „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“
– eine Hoffnung für europäische Linke?

(Zusammenfassung der Sendung. Es gilt das gesprochene Wort im Sendemitschnitt: http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=16849)

Anmoderation:

          Am 25. April war Theo Wentzke von der GegenStandpunkt-Redaktion hier in der Inforedaktion im Freien Radio für Stuttgart, und wir haben über den Linksruck in Lateinamerika gesprochen. Venezuelas Präsident wird mit seiner Politik von Globalisierungsgegnern und anderen Linken als neuer Hoffnungsträger und als Beleg dafür gefeiert, dass „eine andere Welt möglich“ sei. Dieser Punkt mit der Hoffnung blieb letztes Mal offen und damit wollen wir uns heute noch etwas genauer beschäftigen: Stimmt das, dass dieses Venezuela einen hoffnungsfroh stimmen kann, dass die Politik eines Chávez zeigt, dass es auch anders geht?

          Noch mal kurz als Resümee der letzten Sendung: Theo, du hast aufgezeigt, welche Kritik z. B. Chávez in Venezuela am Zustand seiner Nation hat: In einem mit Öl- und Erdgasreserven reich gesegneten Land wie Venezuela versinkt ein Großteil der Bevölkerung im Elend und wird mit Gewalt niedergehalten, während der Reichtum einer kleinen Oberschicht wächst; Ölmultis fahren riesige Gewinne ein, während das Land Schulden akkumuliert; internationale Unternehmen bereichern sich an Standortbedingungen wie Wasser- und Stromversorgung, für die Masse der Bevölkerung sind aber nicht einmal diese elementaren Lebensbedingungen ordentlich verfügbar.

          Chávez zieht daraus den Schluss, dass eine Politik für das Volk gemacht werden muss. Mit dem Geld aus den Rohstoffgeschäften will er seiner Bevölkerung bessere Lebensumstände ermöglichen: private Ölkonzerne werden verstaatlicht, der schon vorher verstaatlichte Ölkonzern wird neu organisiert, das In-die-eigenen-Taschen-Schleusen angeprangert und angegangen, die private Wirtschaft auf Schaffung von Arbeitsplätzen verpflichtet, brachliegendes Land wird an Landbevölkerung verteilt, es findet Schulbildung und Gesundheitsversorgung auch für die vorher davon ausgeschlossenen Armen statt.

F       Nun ist das Stichwort heute „Hoffnungsschimmer“. Ja, aber geht es der Bevölkerung in Venezuela mit all diesen Maßnahmen nicht besser als vorher?

A       Sicher geht es denen besser. Allerdings – besser als vorher, was für ein bescheidener Maßstab! Es handelt sich doch bei der „bolivarianischen Rev.“ in Venezuela um ein Notprogramm auf niedrigstem Niveau! Europäische Arbeiter, ja sogar Hartz-IV-Empfänger würden sich bedanken, wenn man ihnen den Lebensstandard als Vorbild anpreisen würde, der jetzt in Venezuelas Elendsvierteln geschaffen wird. Für die dort ist das ein Fortschritt. Aber für ein Land mit voll entwickeltem kap. Reichtum, wo Überfluss an allem Lebensnotwendigem herrscht, und bei einer ordentlich geplanten Produktion noch ganz andere Sachen für alle drin wären, ist Venezuela kein Vorbild.

F       Wenn du sagst, in Venezuela ist es besser als vorher, dann wäre das doch ein Fortschritt wenigstens für ein Land in Lateinamerika! Dann könnte es doch wenigstens ein Modell für Staaten in der sog. 3. Welt sein, deren Bewohner die Opfer der sog. Globalisierung, genauer: des kap. Weltmarkts, sind?

A       Venezuela hat eine Ausnahmestellung mit seinen Öleinnahmen. Es verfügt über eine sprudelnde Geld-, ja sogar Weltgeldquelle… Nach den Maßstäben der imperialistischen Länder „missbraucht“ es zwar seine mit Öl verdienten Devisen, wenn es sie nicht in die imp. Zentren „recycliert“. Aber solange die USA das dulden, verfügt Venezuela mit seinen Ölquellen in einer ausgesprochenen Ölkonjunktur über Mittel, die normalen 3.‑Welt-Staaten abgehen. Daher sind Länder wie Evo Morales’ Bolivien angewiesen auf Freundschaftsdienste von Staaten wie Venezuela.

F       Gut, ein paar mehr solche Venezuelas, also solche mit Einnahmen aus dem Weltmarktgeschäft braucht es, die dann den anderen unter die Arme greifen.

A       Wodurch haben denn diese Staaten wie Venezuela Einnahmen? Die sind doch gar nicht in ihrer Verfügungsmacht: Nur durch den Verkauf eines Rohstoffs an die Staaten, die damit in ihrer Reichtumsproduktion was anfangen können, kommen sie an Dollars und Euros heran. …
Damit ist Venezuela aber auch abhängig 1. von deren Geschäften, 2. von deren Kalkulationen (weg vom Öl, weg von Geschäften mit „Schurkenstaaten“ …) Also ökonomisch steht dieser Hoffnungsträger auf wackeligen Füßen – er ist abhängig ausgerechnet von den Imperialisten, gegen die sich seine Politik richtet.

F       Stichwort „Schurkenstaat“: Die USA erklären Venezuela schon fast zu seinem solchen, zumindest behandeln sie es so; es hat schon durch die USA unterstützte Umsturzversuche gegeben, und es ist klar, dass ein Land, das sich gegen die Vorherrschaft von US-Kapital und US-Politik auflehnt, von diesen bekämpft wird.

A       Richtig, auch politisch kann Venezuela sein neues Staatsprogramm nicht garantieren, ist es abhängig davon, ob und wie weit die USA es dulden…
Die kap. Staaten – die USA, die EU-Staaten – haben alle Gewalt, mit der sie Chávez und seine Mannschaft wegputzen können…
Außer man will die Augen genau davor verschließen – gibt es für Hoffnung keinen guten Grund. Solange die Reichtumsproduktion in den großen kapitalistischen Staaten und die daraus resultierende Macht dieser imp. Staaten nicht angegriffen werden, gibt es keinen Grund für Hoffnung – oder eben nur einen für Hoffnung! Auf Hoffnung setzt doch nur jemand, der nichts dafür tut, dass sich die Verhältnisse hier in der EU und drüben in den USA endlich mal ändern!

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