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Zurück zur Übersicht :: Druckversion Frieden statt Krieg, Brot statt Gewehre! Die Veroeffentlichung der weltweiten Ruestungsausgaben loest humanistische Reflexe aus GegenStandpunkt – Kein Kommentar im Freien Radio für
Stuttgart vom 31. Okt. 2007
Die jährliche
Veröffentlichung der weltweiten Rüstungsausgaben löst humanistische Reflexe aus
Frieden
statt Krieg, Brot statt Gewehre!
Unter dem Titel: „Die Welt rüstet auf!“ berichtet die
„Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ von der aktuellen Statistik über die absolute
Summe und nationale Verteilung der globalen Rüstungsausgaben – sie haben die
Grenze von einer Billiarde Dollar überschritten. Gigantische Summen und immer
mehr wird von Staaten für Kriegsgerät ausgegeben. Diesem Übel widmet das Blatt
einen Kommentar. „2006 war kein gutes Jahr für den Frieden.
Statt friedlicher wird die Welt brutaler. Was nützt es, darauf zu verweisen,
dass weltweit 850 Millionen Menschen hungern? Dass pro Jahr 80 Dollar genügen
würden, einer Familie das Überleben zu sichern – ein Klacks im Vergleich zu den
Rüstungsausgaben. Armut und Gewalt, das gehört in globalem Maßstab zusammen. In
25 der 40 am wenigsten entwickelten Länder kam es im letzten Jahr zu
gewaltsamen Konflikten. Es gibt kein Patentrezept für Frieden, doch wer Gewalt
stoppen will, muss Armut bekämpfen, nicht Waffen exportieren. Gefragt sind
Ideen und Geld. 2007 – ein gutes Jahr für den Frieden?“ Apropos Rüstung, da fällt dem Autor doch gleich
der Hunger in der Welt ein, den man mit den vielen schönen Rüstungsmilliarden
stillen könnte. Und sogar billiger wär's. Wie bitte? Mit den 1000 Milliarden
könnte man mehr Hunger stillen als Kriege führen? Was ist denn das für ein
Vergleich! Da berichtet die Statistik von laufend steigenden Rüstungsausgaben –
und dem Kommentator fällt der Hunger ein. Dass Rüstung Staaten
bestellen, die dafür ihre guten Gründe wissen und Armutsbekämpfung überhaupt
kein Zweck von keinem Staat, kümmert den Zeitungsschreiber nicht. Er meint den
Vergleich Rüstungsausgaben/Armutsbekämpfung bierernst. Er bezieht den globalen
Rüstungsaufwand und die unterlassene Bekämpfung der Armut gleichermaßen auf das
Ziel des edlen Friedens und vergleicht die Kriegsvorbereitung als ein
schlechtes Mittel, ihn zu sichern, mit der Armutsbekämpfung als nicht nur
netteres, sondern vor allem weitsichtigeres Mittel für denselben Zweck. Denn „Armut
und Gewalt, das gehört in globalem Maßstab zusammen“. Den Zusammenhang von Gewalt und Armut kennt er
nur verkehrt herum: Bei ihm machen nicht Rüstung und Krieg die betroffene
Bevölkerung arm, sondern es ist die Armut der Armen, die Krieg verursacht; was
aus dem Faktum von bewaffneten Konflikten in wenig entwickelten Staaten
offenbar überzeugend hervorgeht. Der kleine Zynismus, dass unser Humanist die
Ernährung der Armen vor allem als ein Mittel empfiehlt, die
Sicherheitsbedrohung zu entschärfen, die sie darstellen, fällt schon kaum mehr
ins Gewicht, angesichts dessen, dass er auch noch Täter und Opfer der Kriege in
den armen Ländern verwechselt: Vermutlich wird ihm bekannt sein, dass die
Waffen, die da zum Einsatz kommen, nicht gerade von denen gekauft werden, die
sich nicht einmal Nahrungsmittel kaufen können; geschweige denn, dass sie in
deren Interesse zum Einsatz kämen. Aber ein Menschfreund, der einer
aufrüstenden Staatenwelt den Hunger als Kriegsgrund und die Hungerhilfe als
Sicherheitspolitik ans Herz legen will, darf einfach nicht unterscheiden zwischen
den Elenden in den kaputtem Ländern des Südens und den Warlords, die dort Krieg
und Bürgerkrieg um die letzten Reichtumsquellen führen. Aus demselben Grund fallen ihm gerade diese Art
Konflikte ein, wenn er auf die Liste der globalen Rüstungsausgaben blickt. Aus
dieser Liste folgt das nämlich nicht; in ihr rangieren die „am wenigsten
entwickelten Ländern“ ganz weit hinten. Eine Handvoll mächtiger Staaten
führt mit weitem Abstand nicht nur bei Waffenproduktion und Waffenhandel,
sondern auch beim Einsatz des Tötungsgeräts. Die größten Militärmächte und die
größten Kriege der Gegenwart fallen dem Rüstungskritiker einfach nicht ein. Sie
geben nichts her für seine frohe Botschaft von der Friedenspolitik per
Armutsbekämpfung. Deshalb wohl erscheinen sie ihm vernachlässigbar. Aber auch,
weil er Aufbau und Einsatz der Kriegsmittel der Großmächte als notwendige
Sicherheitspolitik durchgehen lässt, die es, schlimm wie die Welt ist, auf der
Seite verantwortungsbewusster großer Staaten nun einmal braucht. Kritisch wird
er nicht gegen deren himmelhoch überlegenen Gewaltapparat, sondern erst, wenn
er einen verantwortlichen Umgang damit vermisst. Tatsächlich, auch die
weltgrößten Waffenproduzenten und Besitzer laden Schuld auf sich; dann nämlich,
wenn sie ihre potenten Geräte nicht für sich behalten, sondern in die armen
Länder exportieren, wo sie Unheil anrichten und Kriegsparteien ausstatten, für
deren Sicherheitsinteressen der Mann von der Westdeutschen nun überhaupt keinen
guten Grund gelten lässt. So spricht er ausgerechnet die großen Militärmächte
und Waffenexportnationen als die berufenen Hoffnungsträger für Kriegsopfer und
Arme in der Dritten Welt an; jedenfalls könnten/sollten/müssten sie das sein:
Es wäre an den reichen, die Welt beherrschenden Großmächten, die „Gewalt zu
stoppen“, indem sie „Armut bekämpfen, nicht Waffen exportieren“. In
ihren Rüstungshaushalten hätten sie die Geldmittel dafür, und ihr Monopol an
Waffentechnologien aller Art könnten sie zum Guten verwenden, indem sie den
minderbemittelten Elendsregenten das Schießgerät vorenthalten. Bekanntlich denken die Großmächte, an denen die
Welt genesen könnte, nicht daran, die edle Mission zu erfüllen. Dem könnte
unser Kommentator ja entnehmen, dass sie andere Zwecke haben und ihr Einfluss
auf die Welt anderen Aufträgen genügt, als er ihnen erteilen möchte.
Tatsächlich täuscht er sich da gar nicht. Er fragt rhetorisch: „Was nützt es
…?“, konstatiert also, dass kein Schwein auf ihn hört. Und dass 2007 „ein
gutes Jahr für den Frieden“ wird, mag er selbst nicht glauben. Dennoch
lässt er nicht davon ab, seinem Staat und anderen Mächten das Weltverbessern
als den eigentlichen Auftrag ins Stammbuch zu schreiben, an dem sie
sich verfehlen. Ein Übergang zu einer objektiven Ermittlung von Zwecken und
Mitteln der bewaffneten Weltpolitik ist das letzte, wozu der Humanist aus der
Zeitungsredaktion zu gewinnen wäre. Noch einmal: „Was nützt es“, angesichts
von einer Billiarde Dollar für Waffen „darauf zu verweisen, dass weltweit 850
Millionen Menschen hungern?“ Das eben! In der Form, dass der Kommentator
Klage darüber führt, dass er selbst kaum mehr an die guten Absichten seiner
Regierung glauben kann, hält er diesen Glauben in Kurs. Zum jährlichen Bericht
über die Aufwendungen für Tötungstechnologie gehört eben einer, der mahnt, das
Gute nicht zu vergessen. Zurück zur Übersicht :: Druckversion | |||