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Zurück zur Übersicht :: Druckversion "Nein zum Krieg! Nein zur Nato!" - Und ein Ja zum demokratischen Staat? - Wie soll das denn zusammenpassen? GegenStandpunkt „Nein zum Krieg! Nein zur NATO!“ – Und ein Ja zum demokratischen Staat? Wie soll das
denn zusammenpassen!
Die Nato feiert sich selbst –
und ihr könnt das Geburtstagskind nicht leiden? Kein Wunder: Dieser Verein
steht für Krieg, Folter und globale Militarisierung, wie es ihm euer
Demo-Aufruf vorhält. Bloß: Wenn ihr dieses
Kriegsbündnis zum furchtbaren Herrn der Welt ausruft, der weltweit Kriege
führt, für globales Elend sorgt, für die Verschleuderung von
Ressourcen, Sozialabbau, die Brutalisierung der Gesellschaft
und die Aushöhlung ehrenwerter Grundgesetze verantwortlich ist – tut ihr
da dem feinen Nordatlantikpakt nicht ein wenig zu viel Ehre an? Die Nato ist ja eine
Einrichtung von monströser Gewaltbereitschaft, die jede Gegnerschaft verdient.
Aber dass sie sich über unschuldige abendländische Demokratien hermacht und
ihnen eine wesensfremde Politik nach innen und außen, vom Klima über das
Soziale bis zur Ausländerpolitik aufzwingt – wollt ihr das im Ernst behaupten?
Die Nato ist schließlich ein Bündnis, das die Heimatländer der nordatlantischen
Demokratie gegründet haben; und das nicht aus Versehen, sondern als Instrument
ihrer zivilen und militärischen Zwecke. Ihr sagt in euren Aufrufen doch
selber, was diese Staaten schützen wollen: eine ganze „ungerechte
Weltwirtschaftsordnung“, die sie sich zu ihrem Vorteil eingerichtet haben
– wozu denn sonst! Und diese für sie nützliche kapitalistische Weltordnung ist
ohne einen weltweit schlagkräftigen, schwer bewaffneten Gewaltapparat nicht zu
haben! Wir halten es für einen
Fehler, wenn kritische Leute, die das Kriegspotenzial und den Kriegswillen der
Nato-Staaten für skandalös halten, sich neben den wirklichen
Demokratien, die die Eigentümer und Kommandeure der Militärmaschinerie sind,
zusätzlich noch eigentliche freiheitlich-demokratische Gemeinwesen
erfinden, die von Militarisierung bedroht und von Konfrontationslogik
unterwandert sein sollen. Wollt ihr die Nato-Staaten gegen ihre eigene
Kriegspolitik in Schutz nehmen? Meint ihr, demokratische Regierungen könnten
das alles unmöglich wollen, was ihr ihrem Militärverein vorhaltet? Bei allem Respekt vor
Nato-kritischem Aktivismus: Man kann doch nicht das Mittel kritisieren
und die politischen und ökonomischen Staatszwecke, die dieses Mittel
braucht und sich schafft, außen vor lassen. * Wenn ihr die menschenfeindliche
Politik der Nato anklagt und die Mehrheit der Menschen, die Kriege
ablehnt, in einem scharfen Gegensatz dazu seht, dann fällt uns auf, dass
die Mehrheit der kleinen Leute gar kein Monopol auf die Ablehnung von Kriegen
hat. Selbst Politiker, die den Krieg beschließen und von ihren Militärs führen
lassen, erreichen ihre Ziele lieber ohne Krieg. Und sie setzen, wenn sie ihn
denn für unumgänglich halten, ihre Kriegsmaschinerie für nichts anderes als für
den nächsten, besseren Frieden ein, der ihren nationalen Interessen die
Sicherheit verschafft, die sie brauchen, und ihrer Macht den Respekt, mit dem
sie andere Staaten zu einem für ihren Staat nützlichen Frieden zwingen.
Demokratische Kriegsherren – und nur solche sind es, die die Politik des
Bündnisses machen – berufen sich auch beim Schießen auf das politische Mandat
jener Mehrheit der Menschen, die sie gewählt hat. Und die vielen
wahlberechtigten kleinen Leute lassen sich das in aller Regel gefallen. Sie
hören keineswegs auf zu arbeiten, zu wählen – und die Politiker dadurch zur
Entscheidung über Krieg und Frieden zu ermächtigen. Sie denken da – leider –
nicht so viel anders wie ihre politischen Repräsentanten: Sie lehnen Krieg ab,
wenn sie keinen nationalen Nutzen darin sehen, wenn er leichtfertig vom Zaun
gebrochen wird oder wenn er verloren geht. Wenn ihnen die Politiker aber sagen,
dass „unsere“ Lebensform auf dem Spiel steht, dass in „unserem“
exportorientierten Land die Arbeitsplätze von offenen Märkten überall, von
freien Verkehrswegen zu Wasser und in der Luft und von der Bereitschaft anderer
Staaten abhängen, die ihnen zugewiesene Rolle in der weltweiten Marktwirtschaft
zu spielen: Dann sehen auch „friedfertige Menschen“ ein, dass diese
Kooperationsbereitschaft in Fällen „böswilliger Verweigerung“ erzwungen und der
Frieden der kapitalistischen Weltwirtschaft verteidigt werden muss. Wer seine Kritik an der
Kriegspolitik der westlichen Demokratien ernst nimmt, kann sich nicht auf das
gute Volk gegen seine Politiker berufen. Ihm bleibt die Kritik des allgemein
gebilligten kapitalistischen Friedens nicht erspart. * Dieser Friede wird in den
Nato-Staaten mit denselben vornehmen Grundgesetzen regiert, deren Aushöhlung
ihr beklagt, wenn im Zuge von Kriegen in aller Welt die Grundrechte
ausgehebelt werden. Sollte euch entgangen sein, dass diese feinen
Verfassungstexte schon alle Normen und Klauseln zur Einschränkung der
Grundrechte für den Fall vorsehen, dass irgendwelche Gefahren die innere oder
äußere Sicherheit bedrohen? Das Grundgesetz der Bundesrepublik ist kein Gesetz
zur Fesselung des Staates, sondern die Charta seiner Macht; es ermächtigt die
Regierenden durchzusetzen, was immer sie zur Verteidigung der
freiheitlich-demokratischen Staatssicherheit für erforderlich halten. Nationale
Führungen berufen sich mit vollem Recht auf ihre Verfassungen, wenn sie Krieg
führen und dazu ihre Heimatfront aufrüsten. * Im Verkehr mit anderen
Staaten verstehen die großen westlichen Demokratien sowieso nur die Sprache der
Gewalt. Die aber sprechen sie perfekt und verdolmetschen der Welt ihr
hochgerüstetes Interesse als das Recht der Völker und der
Menschen. Die großen Staaten sind nicht gehorsame Gefolgsleute des
Völkerrechts und der Menschenrechte, sondern deren Macher und Vollstrecker.
Auch diese einschlägigen Kataloge sind das Werk ihrer Macht, die sie in die
Lage versetzt, jedem ‚shock and awe‘, den sie zwischen Serbien und
Afghanistan für nötig halten, eigenhändig eine völker- und menschenrechtliche
Lizenz hinterherzuschicken. * Klagt also lieber nicht über
verbogene Grundrechte, verfassungswidrige Militarisierung und völkerrechtswidrige
Kriege der Nato; sondern nehmt zur Kenntnis, dass es eine Leistung demokratischer
Rechtsstaaten ist, auch noch für die Übereinstimmung von imperialistischer
Interessenlage und internationaler Rechtslage zu sorgen! Da passen schon immer
der Krieg und seine Mittel darunter, bis hin zur Beschaffung, ständigen
Bereitschaft und Anwendung von Atomwaffen. Schließlich war es eines der
Mutterländer der Demokratie, das als bislang einziges solche Waffen eingesetzt
hat, was, wie man weiß, der demokratischen Freiheit nicht geschadet, sondern
sie in der Welt verbreitet hat. Solches Zeug brauchen die in der NATO
verbündeten Mächte für die Aufrechterhaltung ihrer globalen Ordnung, mit der
sie sich ohne eine satte militärische Übermacht nirgends blicken lassen können:
Das Glück der wirklichen
Demokraten ist es, dass sie an ihren nationalen Standorten keine anderen
Gegner haben als ideale Demokraten, die das wirkliche Regieren für einen
Verstoß gegen den Geist der Verfassung und demokratische Realpolitik für das
Gegenteil des wahren, guten und schönen Regierens halten, das sie von den
staatstragenden Parteien in unverwüstlichem Zutrauen einfordern. Wenn ihr also eine Welt
ohne Nato für nötig haltet, dann wird es wohl auch nötig sein, nicht
nur den uniformierten Befehlsempfängern des westlichen Kriegsbündnisses,
sondern ihren demokratischen Dienstherrn und der zivilen Ordnung, die
sie verwalten, die Gegnerschaft anzusagen. GegenStandpunkt – Politische
Vierteljahreszeitschrift Diskussionstermine,
Kontakte, Info und Bestellungen unter www.gegenstandpunkt.com V. i. S. d. P.:
Theo Wentzke, Böblinger Str. 135, D-70199 Stuttgart – E. i. S. –
Tel.: 0711/615 17 72 Zurück zur Übersicht :: Druckversion | |||