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GegenStandpunkt: Kein Kommentar! vom 04.05.10, 18 Uhr
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Die Hetze der Bild-Zeitung gegen "die Griechen"
Die Analyse des GegenStandpunkt-Verlags
in Radio Lora München vom 26. April 2010
GegenStandpunkt – Kein Kommentar! im Freien Radio für Stuttgart vom
5. Mai 2010
Die Hetze der
Bild-Zeitung gegen „die Griechen“
Seit
Monaten hetzt die Bild-Zeitung gegen Griechen und Griechenland. In
verschiedenen Variationen immer dieselbe Botschaft: „Die Griechen machen unseren
Euro kaputt!“ Was „die“ falsch machen, erkennt man daran, was „wir“
richtig machen:
„Hier
arbeiten die Menschen bis sie 67 Jahre alt sind ... Deutschland hat zwar auch
hohe Schulden – aber die können wir auch begleichen. Weil wir morgens ziemlich
früh aufstehen und den ganzen Tag arbeiten. Weil wir von unserem Gehalt immer
auch einen Teil für schlechte Zeiten sparen. Weil wir fitte Firmen haben, deren
Produkte rund um den Globus gefragt sind.“ (10.3.10)
Die Deutschen leben also, um tagein
tagaus von früh bis spät zu arbeiten, bis sie alt sind. Das tun sie für ihren
Staat, damit sich der neue Schulden leisten kann. Deutsche sind fleißig und zu
Opfern bereit. Warum also ist der Euro „unser Euro“? Nicht weil wir ihn haben, sondern weil wir ihn möglichst wenig
beanspruchen. Wir sagen zwar
„unser Euro“, aber das „unser“ besteht darin, dass wir uns ihm, d. h.
seiner Vermehrung unterwerfen und ihr nicht im Wege stehen. Damit sorgen
wir auch dafür, dass wir fitte Firmen haben. Für die arbeiten wir tagein tagaus
von früh bis spät, schonen ihren Personalkostenetat, und wenn sie uns nicht
mehr brauchen können, murren wir, mehr aber auch nicht – sonst wären sie ja
nicht fit.
Dass
wir so sind, haben auch die im Ausland gemerkt, bloß finden die das nicht so
toll wie wir. „Man rümpft in Frankreich schon länger die Nase über die
Lohnzurückhaltung der deutschen Gewerkschaften und die dadurch entstandene
Senkung der Lohnstückkosten in Deutschland, zumal sie den französischen Export
empfindlich stören.“ (FAZ, 16.3.10) Und die französische Finanzministerin
Lagarde beschwert sich: „Deutschland hat seine Lohnstückkosten und seine Arbeitskosten
insgesamt seit gut zehn Jahren im Vergleich zu seinen Partnern gesenkt und sich
dadurch auf den Exportmärkten Wettbewerbsvorteile verschafft.“ (SZ,
15.3.10)
Aus
berufenem Munde erfährt die deutsche Arbeiterklasse also, was mit ihr
angestellt wird bzw. was sie mit sich anstellen lässt. Hier spricht eine
französische Politikerin über die Konkurrenz der Staaten: Deutschland
verschafft sich Wettbewerbsvorteile auf den Exportmärkten, und das passt der
Ministerin nicht, denn das ist zum Nachteil Frankreichs – und ein bedeutendes
Mittel in dieser Konkurrenz, wenn nicht das wichtigste, ist die
Kostengünstigkeit und Dienstbarkeit des für diese Konkurrenz zu benutzenden
Volkes. Sie sagt: „Deutschland hat seine Lohnstückkosten und seine
Arbeitskosten insgesamt gesenkt“, nimmt also die Leistungen der Unternehmer
beim Lohndrücken unmittelbar als Erfolg der Nation und auch die deutschen
Gewerkschaften haben sich mit ihrer „Lohnzurückhaltung“ in den Dienst der
Nation gestellt.
Diese
Äußerungen der Ministerin haben hierzulande für eine gewisse Empörung gesorgt.
Nicht deswegen, weil man den Wahrheitsgehalt ihrer Behauptungen bestreiten
würde, sondern weil man das als Angriff auf die von Deutschland eroberte
Konkurrenzposition und das dafür eingesetzte Mittel verstanden hat. Und dieses
Mittel und dessen Einsatz in gewohnter Manier lassen wir uns nicht madig
machen, geschweige denn wegnehmen. Exporterfolge auf Kosten anderer Nationen
durch Verarmung und Ausbeutung zu erzielen – das soll unfair sein?
Dagegen muss sich die deutsche Politik entschieden verwahren:
„Herr
Schäuble ... wies die Kritik seiner europäischen Gegenspieler, einschließlich
... der französischen Finanzministerin zurück, dass Deutschlands Exportmodell
irgendwie für die Not der schwächeren Länder verantwortlich sei. ‚Ich möchte
sehr klar, ruhig und besonnen die Kritik in Abrede stellen, dass die, die
ziemlich erfolgreich im Wettbewerb sind, für die Probleme anderer
verantwortlich zu machen sind.‘“
(Financial Times, 17.3.10)
Der
deutsche Finanzminister steht ausdrücklich zum deutschen Erfolgsmittel im „Wettbewerb“
um nationale Aneignung von Reichtum. Er stellt klar: Wer bei der
Volksverarmung schwächelt, trägt selbst die Verantwortung für ausbleibenden
wirtschaftlichen Erfolg! Und Kanzlerin Angela Merkel pflichtet ihm bei:
„‚Dort, wo wir stark sind, werden wir unsere Stärken
nicht aufgeben‘, sagte sie im Bundestag … Es ist falsch, sich nach demjenigen
zu richten, der am langsamsten ist.“
(Spiegel Online, 22.3.10)
Wenn
ein Politiker zum anderen sagt: „Du hast es eben nicht geschafft, dein Volk so
herzunehmen wie ich“, dann redet er nicht über die Faulheit anderer
Völker und er beschwert sich nicht ausgerechnet über die. Es ist zwar jetzt
große Mode, dem griechischen Staat Versagen in Form zu großer Rücksichtnahme
auf sein Volk vorzuwerfen, aber sollen sich deutsche Politiker wirklich
gewünscht haben, dass Griechenland sich toll aufbaut und Deutschland
Konkurrenzniederlagen zufügt? In Wahrheit ist es doch so – wie in unserer Analyse vom
22./24. März erläutert –, dass Griechenland in der innereuropäischen
Konkurrenz immer weiter zurückgefallen ist, was darum und nur darum ein Problem
ist, weil das griechische Geld eben auch der Euro ist. Wenn nun die
Finanzmärkte griechische Staatspapiere immer mehr in Zweifel ziehen, dann ist
das eine Krise des Euro – Deutschland sähe es zu gern, wenn man diese
Krise lokalisieren, also ganz auf Griechenland begrenzen könnte, aber
bei einer Gemeinschaftswährung ist das kaum möglich, wenn überhaupt. Das sind
die Sorgen deutscher Politiker: Die Überlegenheit Deutschlands in der
Konkurrenz wird den Finanzmärkten sicherlich gefallen, wenn sie aber die
konkurrenzlerische Unterlegenheit Griechenlands – dann Portugals, Spaniens etc.
– zum Gegenstand ihrer Spekulation machen, dann kratzt das eben auch die
Gemeinschaftswährung an und Deutschland wird in Mitleidenschaft gezogen. Mit
dieser Lage gehen die deutschen Politiker so um, dass sie einerseits ein
„Rettungspaket schnüren“, das den Staatsbankrott Griechenlands und seine Wirkungen
auf den Euro verhindern soll. Dieses Rettungspaket wird andererseits an die Bedingung
geknüpft, dass der griechische Staat, der seinen Bürgern bisher
unverantwortlicherweise erlaubt hat, „über ihre Verhältnisse zu leben“, endlich
„seine Hausaufgaben macht“, nämlich durch ein rigoroses Sparprogramm die
Solidität seiner Schulden wiederherstellt.
Das
ist das Stichwort für die Bild-Zeitung. Sie verdolmetscht ihren deutschen
Lesern das Konkurrenzverhältnis zwischen den europäischen Staaten und dessen
Wirkungen auf den gemeinsamen Euro nun so, dass sie Völker gegeneinander
antreten lässt – sie tut so, als wären die die Macher in dieser Konkurrenz.
Sie tut so, als hätten es die Völker in der Hand, was aus „unserem Euro“ wird,
und da fällt Bild bezeichnenderweise
als das Mittel, den Euro zu stärken, genau das ein, was die Politiker
sich zuvor gegenseitig als „Senkung der Lohnstückkosten“ und
„Lohnzurückhaltung“ vor die Nase gehalten haben – nun aber als die Tugend
des Verzichts und der Leistungsbereitschaft. So wird die Bild-Leserschaft dazu angestachelt, ihre
Dienste für das Kapitalwachstum im Land und die erzwungenen Einteilungskünste,
die damit einhergehen, als freiwillig erbrachte Leistung hochzuhalten und Stolz auf ihre Tugendhaftigkeit als Arbeitsleute zu empfinden,
von der angeblich alles abhängt. Sie haben als mustergültige Deutsche das Ihre
dazu getan, Deutschland voranzubringen. Unter dieser Bedingung erkennt ihnen
die deutsche Presse das Recht zu, das Griechenvolk als minderwertig zu
verachten. – Na, großartig!
„Anmerkungen
zu Griechenlands Staatsbankrott“ in GegenStandpunkt 1‑10
„Schummel-Griechen machen mit ihrem Schuldendrama
unseren Euro kaputt!“ (Bild):
Ein Lehrstück
über europäischen Nationalismus
von oben und von unten
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Der Euro-Nationalismus
der Regierenden
·
Die Bild-Hetze – ein
Fall von Völkerfreundschaft von unten
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Von der Hetze gegen „die
Griechen“ zur Forderung nach harter deutscher Führung in und über Europa
in GegenStandpunkt 2‑10
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