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Noch
keine Lizenz
Gerangel um Radiosender ohne Reklame dauert an
Medienrat gegen Hithouse Radio und Pfingstler-Gemeinde
Das Gerangel um die lokale Radiofrequenz 97,2 dauert an. Vorerst bleibt
offen, wer auf dem Kanal senden darf, der für ein werbefreies Programm
reserviert ist. Eine Entscheidung fällt frühestens Mitte Februar.
Das reklamefreie
Radio sorgt für Querelen in der Landesanstalt für Kommunikation
(LfK). Diese Behörde ist für die Vergabe der Rundfunklizenzen
zuständig. Wie berichtet, wollte der LfK-Vorstand die begehrte Frequenz
splitten: vier Programmanbieter sollten zu Wort kommen. Dagegen erhob
sich Protest. Der LfK-Medienrat hat den Vorschlag des Vorstandes am Montag
abend verworfen. Dem Vernehmen nach stimmten 15 Mitglieder, darunter Kirchenvertreter,
gegen das Splittingmodell, acht Medienräte waren dafür. Das
Gremium hat sich auf ein alternatives Modell verständigt.
Demnach soll der
werbefreie Kanal im wesentlichen für die Initiative Freies Radio
Stuttgart (FRS) reserviert bleiben. Der Verein müßte allerdings
dem griechischen Unternehmer Georgios Baboulis, früher am Stadtradio
beteiligt, ein Programmfenster von zwei Stunden wöchentlich einrämen.
Die Biblische Glaubensgemeinde, eine Freikirche aus der Pfingstbewegung,
und das frühere Hithouse Radio sollen nach Auffassung der Medienrat-Mehrheit
auf diesem Kanal nicht zum Zuge kommen.
Der LfK-Vorstand
wird sich in seiner nächsten Sitzung am 12. Februar mit dem Vorschlag
des Medienrats befassen. Im Vorstand sitzen neben dem LfK-Direktor Eugen
Volz vier ehrenamtliche Mitglieder, die vom Landtag mit Zweidrittel-Mehrheit
bestimmt wurden. Falls der Vorstand das Modell des Medienrates absegnet,
könnten die alternativen Radiomacher schon Ende Februar auf Sendung
gehen. In jedem Fall wird die Lizenz erst vergeben, wenn zwischen Vorstand
und Medienrat Übereinkunft herrscht.
Der Verein Freies
Radio Stuttgart hat nach eigenen Angaben zur Zeit 90 Mitglieder, darunter
islamische Gruppen und Kurden. Er wird vom Jugendhausverein und vom Stadtjugendring
unterstützt. Nach dem Sendestart erhoffen sich die Radiomacher einen
regen Zulauf. Bis 1997 werden 2500 Mitglieder angestrebt.
Das Radioprogramm
ohne Reklame wird von einem Sender auf dem Postkomplex in der Lautenschlagerstraße
ausgestrahlt. Die Sendeleistung beträgt 100 Watt. Eine Testsendung
im Sommer hat laut FRS ergeben, daß die Frequenz 97,2 im Stadtzentrum
zu empfangen ist, außerdem in Teilen von Cannstatt und dem Stuttgarter
Westen, auch in Heumaden und Sillenbuch, nicht jedoch in den Neckarvororten
und in den übrigen Filder-Stadtteilen.
kä
Nachgefragt:
Freies Radio
"Alle können zu Wort kommen"
Radio ohne Reklame:
Noch steht nicht fest, wer auf dem werbefreien Kanal senden darf. Die
meiste Sendezeit soll der Verein Freies Radio Stuttgart erhalten. Vorstandsmitglied
Joachim Stein sagt, was die Radiohörer zu erwarten haben. Der 37jährige
Verwaltungswirt arbeitet im Büro des Stadtjugendrings.
Frage: Was wird
das Freie Radio seinen Hörern bieten?
Joachim Stein: Es geht uns nicht nur darum, den Hörern etwas
zu bieten. Sondern vor allem darum, daß unsere Mitglieder selbst
Radio machen können. Darauf würde ich sogar noch mehr Wert legen.
Unser Programm soll Pluralität bieten. Möglichst alle Leute,
die denken, sie könnten über diesen Radiosender bestimmte Nachrichten
verbreiten, auf etwas Interessantes hinweisen oder einen Mangel darstellen,
sollen das bei uns tun können. Es wird also ein sehr buntes Programm
zustandekommen. Dabei werden Leute und Gruppen zu Wort kommen, die man
im gewöhnlichen Rundfunk kaum hört: Selbsthilfegruppen, Naturschützer,
Schwule.
Das hört sich an nach einem sprechenden schwarzen Brett...
Unser Anliegen ist es, daß trotz allem ein Programmkonzept
erkennbar wird. Mit anderen Worten: es wird Sparten geben, wir sind dabei,
Redaktionen zu gründen. Unser Konzept ist es gerade nicht, einen
offenen Kanal zu bieten.
Wird Ihr Sender ein zweites Radio Dreyeckland?
Sicherlich nicht. Die haben eine ganz spezielle Geschichte. Wir haben
diese Geschichte nicht, wir derden deshalb andere Akzente setzen - Klammer
auf: müssen. Unser Zielpublikum hier in Stuttgart ist anders als
in Freiburg. Doch wir sind mit Radio Dreyeckland natürlich in ständigem
Kontakt.
Wer bastelt das Programm? Sind da nur Hobbyfunker am Werk?
Wir orientieren uns am professionellen Radio. Wobei das technische
Level unserer Sendungen etwas niedriger sein muß. Denn das Geld wird
uns nicht hinterhergeworfen. Und eine halbwegs ordentliche Studioeinrichtung
ist ausgesprochen kostspielig. Aber wir werden alle Leute schulen, die
bei uns längerfristig mitmachen möchten. Alle haben die Möglichkeit,
an den Geräten zu lernen, sprechen zu üben, ihre Inhalte präzise
zu formulieren. Wir haben Leute dabei, die das Handwerk verstehen. Und
wir können auf Hilfe von anderen Sendern zurückgreifen, unter
anderem auch von Radio Dreyeckland.
Wer finanziert das Programm? Mit welchen Kosten rechnen Sie?
Das ist eine relativ große Unbekannte. Fakt ist, daß der
Hauptanteil aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Zuschüssen kommen
muß. Wir hoffen auch auf Mittel aus dem Kabelgroschen. Das ist im
Moment aber noch etwas in der Schwebe. Ein großer Streitpunkt sind
die Telekom-Gebühren. Die werden uns nicht zum Nulltarif Sendungen
ausstrahlen, dafür wollen die Geld. Und das sind ganz erhebliche
Beträge.
(Die Fragen stellte
Armin Käfer.)
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