|
Lizenz für ein Radioprogramm ohne Reklame
Freies Radio Stuttgart von Mai an auf dem Kanal 97,2 zu hören
- Kein Sendeplatz für Hithouse Radio
Im Radio gibt es
künftig einen werbefreien Kanal. Auf der begehrten Frequenz
97,2 darf der Verein Freies Radio Stuttgart senden - nicht das konkurrierende
Hithouse Radio. Das hat die Landesanstalt für Kommunikation am Montag
entschieden.
Der Kanal ist für
ein nichtkommerzielles Programm reserviert. 13 Programmanbieter hatten
sich um den Sendeplatz beworben, darunter Kirchen, religiöse Gruppen
und Ausländer, aber auch Firmen. Die Landesanstalt für Kommunikation
(LfK) hatte zunächst vor, den Kanal zu splitten. Neben dem von Jugendverbänden
getragenen Verein Freies Radio Stuttgart (FRS) solltan auch das bei der
letzten Lizenzvergabe ausgebootete Hithouse Radio sowie die Biblische
Glaubensgemeinde, eine evangelische Freikirche, zum Zuge kommen. Im Medienrat
der LfK fand sich dafür jedoch keine Mehrheit. Das Gremium favorisierte
den Radioverein FRS. Er solle lediglich dem griechischen Unternehmer Georgios
Baboulis ein Programmfenster einräumen. Diesem Konzept hat der LfK-Vorstand
jetzt zugestimmt. Baboulis, früher am Stadtradio beteiligt, darf
mittwochs von 20 bis 22 Uhr ein eigenes Programm ausstrahlen. Der Rest
der Woche bleibt für FRS reserviert.
Nach Auskunft von
Hans Dieterle, dem Chef der Grundsatzabteilung in der Medienbehörde,
wird die Lizenzurkunde binnen 14 Tagen zugestellt. Die unterlegenen Konkurrenten
können gegen die Entscheidung vom Montag allerdings Widerspruch einlegen.
Das ist innerhalb einer Frist von vier Wochen möglich. Die LfK hat
vorsorglich Sofortvollzug angeordnet. Doch auch dies ist anfechtbar.
Der Radioverein will
im Mai auf Sendung gehen. Laut Vorstandsmitglied Joachim Stein wird das
Studio demnächst in der Senefelderstraße eingerichtet. Die
alternativen Radiomacher werden als Untermieter im Zentrum der Jungsozialisten
einziehen. Für die Studioneinrichtung müsse der Verein zwischen
25 000 und 80 000 Mark investieren, schätzt Stein. Er rechnet mit
Zuschüssen von der LfK Die Behörde werde außerdem für
mehrere Jahre die Telekomgebühren übernehmen.
Nach Auskunft von
Joachim Stein gibt es auf dem Kanal 97,2 zunächst kein Vollprogramm
rund um die Uhr. Auch Radio Dreyeckland, Vorbild der alternativen Rundfunkszene,
sende nur 19 Stunden täglich, sagte Stein im Gespräch mit der
"Stuttgarter Zeitung". Geplant sei eine Vernetzung der freien Radios im
Land mit einem gemeinsam produzierten Nachtprogramm. Der Stuttgarter Radioverein
will sein nichtkommerzielles Programm mit freiberuflichen Redakteuren
und drei bis vier festangestellten Technikern bestreiten. Diese würden
über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert, sagte Vorstandsmitglied
Stein.
Das reklamefreie
Radio wird nur von einem begrenzten Zuhörerkreis zu empfangen sein.
Die Sendeleistung beträgt 100 Watt. Eine Testsendung im Sommer hat
nach Angaben des Radiovereins ergeben, daß das nichtkommerzielle
Programm lediglich im Stadtzentrum störungsfrei übertragen wird.
Laut LfK wird das Programm allerdings auch in das Stuttgarter Kabelnetz
eingespeist.
kä
|