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Können
Sie sich unter einer "medialen Skulptur im urbanen Raum" oder
einer "sozialen Plastik im virtuellen Raum einer realen Stadt"
etwas vorstellen? Sollen Sie auch gar nicht. Schließlich kann die
von ihrem Erfinder Andreas Bär so bezeichnete Sendung "Bär
on Air" im Freien Radio für Stuttgart gehört werden. Als
Mitglied der Kulturredaktion im Freien Radio ist der Künstler seit
1996 mit "Bär on Air" einmal im Monat eine Stunde live
zu hören. Mit seinen Gästen schafft er "virtuelle Skulpturen",
von 100 % Wortanteil bis zu 100 % Klangcollagen ist in dem experimentellen
Programm alles möglich.
Von 19. November
2002 bis 12. Januar 2003 findet im Württembergischen Kunstverein
Stuttgart die Ausstellung "Freiwillige Selbstauskunft - Die Jahre
1977 bis 2002" statt. Aus Anlass des 175-jährigen Bestehens
hat der Kunstverein 10 KünstlerInnen eingeladen. Andreas Bär
hat für die Ausstellung eine Hörbar eingerichtet. Dort können
verschiedene Sendungen von "Bär on Air" als Konserve über
ein Display von einem Computer abgerufen werden. Überhaupt spielt
"Bär on Air" mit den Paradoxien, die sich daraus ergeben,
dass das Radio-Kunstwerk nicht betrachtet und nicht angefasst werden kann.
Die Sendungen selbst sind einmalige Ereignisse; Andreas Bär und seine
wechselnden Mitstreiter konzipieren ihre Arbeiten eigens für den
Sendetermin. Dabei beziehen sie sich auf ihr sonstiges bildnerisches Werk
oder auch nicht. Während der Ausstellungsdauer von "Freiwillige
Selbstauskunft" hat Andreas Bär drei Sendungen mit ausstellenden
Kollegen geplant. Am 12.11. stellten Kurt App und Christof Georgen Ausschnitte
aus einer umfangreichen Klangcollage vor, die ebenfalls Teil der "Freiwilligen
Selbstauskunft" ist. In einem abgetrennten Bereich des Kunstvereins
sind über 6 Boxen 150 Minuten lang collagierte Schnipsel aus dem
Kulturprogramm S2 des SWR zu hören; viele kleine Worthülsen
aus dem Repertoire der Kulturberichterstattung. Für "Bär
on Air" haben App und Georgen ihre Arbeit auf 60 Minuten und zwei
Stereokanäle gekürzt. Am 10. Dezember 2002 und am 14. Januar
2003 folgen weitere Livesendungen im Rahmen der Ausstellung.
Andreas Bär
ist Mitgründer der Kulturredaktion im Freien Radio für Stuttgart.
Anfangs beschäftigte er sich im Radio mit Literatur und Film, bevor
er begann, seine eigene künstlerische Arbeit auf das Medium Hörfunk
auszudehnen. Umgekehrt setzt er sich in der Form von Kunstaktionen für
die Radiostation seiner Wahl ein: Seit langem beklagen die Aktiven vom
Freien Radio, dass sie mit ihrem niedrig liegenden Senderstandort im Stuttgarter
Talkessel nur vergleichsweise wenige Hörer erreichen. Andreas Bär
schritt zur künstlerischen Tat, bohrte einen kleinen Tunnel in einen
Stuttgarter Hang und nannte das "Erweiterung des Sendebereichs".
Autor: Hans-Uwe Daumann
Datum: 11.12.2002
Originalquelle im
Internet:
http://www.connex-magazin.de/index.asp?o=1&m=2&um=1&id=288
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