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Freies
Radio für Stuttgart bringt nicht-kommerzielle Beiträge aus aller
Welt
Es
ist 17.30 Uhr, auf der Frequenz 97,2 des Freien Radio für Stuttgart
ertönen karibische Rhythmen und Salsa- Klänge. Gleich darauf
wird die politische Situation in Venezuela in einer einstündigen
Reportage erörtert. Dann plötzlich folgen knapp aufeinander
Rock'n Roll , Hip Hop und Drum and Base. Eindeutig ein Programm, das zu
exotisch und vielfältig ist, als dass es einfach im Hintergrund mitlaufen
kann.
«Unsere Hörer
schalten gezielt bei bestimmten Sendungen zu und hören diese auch
regelmäßig», sagt Oliver Kempter vom Vorstand des Fördervereins
Freies Radio für Stuttgart, der den Sender finanziert. Jede der 50
Redaktionen hat ihr eigenes unabhängiges Konzept, kann frei gestalten
und ihre Musik auswählen. «Hierarchien gibt es bei uns nicht»,
so Irina Bohn, Organisatorin und Fortbilderin. «Bei uns wird stets
fair und demokratisch entschieden». Und das vor allem im Plenum,
wo jeden Monat alle Redaktionen Verbesserungsvorschläge zum bestehenden
Programm anbringen oder kritisch Neulinge begutachten, die mit ihrer neu
gegründeten Redaktion ihre persönliche Sendung starten wollen.
Dass sich das Plenum sehr oft überzeugen lässt, merkt man an
der Vielfalt des Programms.
Es ist 10.30 Uhr,
bei der «eritreischen Redaktion» berichtet gerade eine Hörerin
in ihrer Muttersprache über die Eigenheiten ihres Landes, über
Migrationsprobleme in Deutschland und ihre Zukunftsträume. Auch die
alevitische Redaktion sendet in deutscher und türkischer Sprache
und informiert über die kulturelle Identität, Religion und Philosophie
des Alevismus.
«Wir sehen
uns als Schaltstelle und Forum verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen,
die woanders nicht zu Wort kommen», sagt Oliver Herrmann, der für
die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. «Wir haben alles,
nur keinen Mainstream,es ist nämlich nicht unser Anspruch die Masse
zu erreichen», so Herrmann. Der Ehrlichkeit halber muss man sagen,
dass das aufgrund der schwachen Frequenz auch nicht möglich ist.
Doch der Aufstieg
des Freien Radios scheint ungebremst. Im Juni 2001 ist der Sender sprichwörtlich
aus dem Kellergewölbe in der Falbenhennenstraße emporgestiegen
und in ein stattliches Studio in der Rieckestraße umgezogen. Provisorisch
ist nur noch der grob zusammengehauene Tisch in einem der drei Studios,
ansonsten verbreitet moderne Technik das Freie Radio im Stuttgarter Kessel.
Frei ist das Radio in vielerlei Hinsicht. Frei von jeglichen Vorgaben
der Medienbranche und vor allem frei von Kommerz. «Wenn wir werben,
dann für uns selbst und den Förderverein», so Oliver Herrmann.
Ums Geld geht es den ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeitern
nicht, sondern um das Ideal «Radio zu machen, wie es früher
einmal war».
«Die Grenzen
zwischen Hörer und Macher sollen verschwimmen», so Herrmann.
Workshops und Seminare machen es möglich und bringen viele Laien
dazu, sich im Radio zu präsentieren. So viel Hingabe wird irgendwann
belohnt: Ab Mai soll die neue Frequenz 99,2 bis zu eine Million Hörer
erreichen. «Wir verwerten alles, was woanders keinen Platz findet»,
sagt Oliver Kempter schmunzelnd. «Dass unsere Sendeantenne auf dem
Dach einer Recycle-Anlage steht, ist wirklich purer Zufall».
Informationen zum
Verein Freies Radio für Stuttgart und zum Gesamtprogramm sind unter
http://www.freies-radio.de abrufbar oder unter Telefon 640 04 42 zu erfragen.
esw 05.02.2003
Originalquelle im
Internet:
http://www.stuttgarter-wochenblatt.de/stw/page/detail.php/363344
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