|
Neue Antenne in Münster
Eine neue Sendeanlage auf dem Schornstein des Müllheizkraftwerks
in Münster soll den Radioempfang verbessern. Von der Anlage
profitieren das Deutschlandradio und das Freie Radio Stuttgart.
Außerdem vorgesehen: ein ganz neues Radioprogramm.
Von Jürgen Brand
Die Hörer des Deutschlandradios und die Fans des Freien Radios
Stuttgart beklagen sich schon lange darüber: In Stuttgart sind
die Programme per Antenne zum einen schlecht und zum anderen nur
von wenigen zu empfangen. Das soll sich jetzt ändern. Die Landesanstalt
für Kommunikation (LfK) hat nach eigenen Angaben "den
neuen Senderstandort in Stuttgart-Münster erschlossen"
und nimmt dort auf dem Schornstein des Müllheizkraftwerks "eine
sehr aufwendige Antennenanlage in Betrieb".
Von Münster aus wird künftig auf sechs UKW-Frequenzen
gesendet. Zwei der Frequenzen bekommen das Deutschlandradio und
das Freie Radio Stuttgart, zwei Frequenzen sind noch frei, die übrigen
beiden sind für neue private Radioprogramme reserviert. Auf
der einen Frequenz wird künftig ein Kulturprogramm gesendet,
über das noch nicht entschieden ist, auf der anderen ein laut
LfK "einzigartiges Radioprojekt".
Das Programm wird "Chart Radio" heißen und in Baden-Baden
produziert. Die LfK hatte in der Ausschreibung für das Testprojekt,
auf die nur zwei Bewerbungen eingingen, folgende Vorgaben gemacht:
"Ziel des Projekts ist, Erkenntnisse darüber zu erhalten,
ob und wie ein privates Hörfunkprogramm im Wesentlichen als
Testplattform für neue Programm- und neue Werbeformen genutzt
werden kann."
Dabei soll untersucht werden, ob und wie, insbesondere für
die Musikindustrie, ein bisher nicht verfügbarer Zugang zu
einem Testpublikum unter realen Bedingungen geschaffen werden kann.
Außerdem soll geprüft werden, wie alternative Finanzierungsmodelle
zur herkömmlichen Hörfunkfinanzierung entstehen können.
Hintergrund des Projekts ist, dass in den Privatradios seit einigen
Jahren zunehmend nur noch Hitparadenerfolge gespielt werden, neue
Musikstile, -stücke und -gruppen aber kaum noch eine Chance
bekommen. Die Musikindustrie fordere schon seit langem eine Art
Zwangsquote für neue Titel, so ein LfK-Sprecher. Im neuen Programm
soll all dies ausprobiert werden.
Im "Chart Radio", das bereits im Internet existiert und
Musik aus Ranglisten aus den verschiedensten Musikbereichen sowie
Informationen aus der Popbranche anbietet, haben sich zahlreiche
Unternehmen zusammengeschlossen. Die Federführung hat die Media
Control in Baden-Baden, beteiligt sind nach LfK-Angaben aber auch
die Großen der Musikindustrie wie Universal, BMG und Warner.
Mit EMI und Sony werde noch verhandelt.
Chefin der Chart Radio Webcasting AG ist Ulrike Altig. Sie beschreibt
das künftige Programm so: "Wir wollen ein junges, modernes
und progressives Programm machen. Gespielt wird, was im Moment nur
schwer oder überhaupt nicht im Radio zu hören ist, was
die Jungen lieben und nirgends hören können." Die
kurzen Moderationen sollen sich ausschließlich auf die Musik
und die Künstler beziehen, Lifestyle-Anekdoten seien nicht
geplant, stündliche Nachrichten auch nicht. Es würden
auch Charts gespielt, aber nicht nur die Top 100, sondern auch alternative
Hitparaden. Dabei werde auf die Möglichkeiten der Media-Control-Tochter
Music Control zurückgegriffen, die täglich aus 16 Ländern
Informationen bekomme, was gerade "trendy" sei.
Außerdem sollen in Stundenblöcken neue Musikstile getestet
werden. Die schon lange für Radioprogramme geforderte Quote
für deutsche Produktionen soll laut Ulrike Altig von Anfang
an berücksichtigt werden. Sie will das Programm und das dafür
verantwortliche Team Mitte Juni der Öffentlichkeit vorstellen.
Auf der neuen analogen, terrestrischen Frequenz können nach
LfK-Angaben bis zu eine Million Hörer erreicht werden.
Originalquelle im Internet:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/409647
|