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Lizenzen für freie Radios werden neu vergeben - Veranstalter
machen bei einer Tour durchs Land auf ihre Probleme aufmerksam
STUTTGART. Die freien Radios im Land stehen vor einer neuen
achtjährigen Lizenzperiode. Die Bewerbungsfrist ist gestern
abgelaufen. Mitte Oktober werden die Frequenzen neu vergeben. Die
Veranstalter hoffen auf stärkere Sender und auf höhere
Zuschüsse.
Von Renate Allgöwer
Mancher ehrenamtliche Mitarbeiter der freien Radiosender kann seinen
eigenen Beitrag nicht hören, weil die Sender so schwache Leistungen
haben, dass sie nicht einmal das ganze Stadtgebiet versorgen. Das
soll anders werden, verlangen die Vertreter der neun Sender im Land,
die sich mit Mitgliedsbeiträgen und öffentlicher Förderung
über Wasser halten. Wenn die Landesanstalt für Kommunikation
(LfK) im Oktober die Frequenzen für weitere acht Jahre vergibt,
wollen die ehrenamtlichen Radiomacher möglichst überall
gehört werden. Ihre Botschaft ist klar: "Her mit den besseren
Frequenzen", fordern sie bei einer Radiotour, die am Montag
in Schopfloch beginnt und bis 28. Juni zu allen Standorten von freien
Sendern führt.
"Als nicht gewinnorientierte Einrichtungen" müssten
sie von der LfK besser berücksichtigt werden, meinen die in
der Assoziation freier Gesellschaftsfunk zusammengeschlossenen freien
Radios. Seit der Einführung des freien privaten Hörfunks
ohne Werbung hätten sich die Rahmenbedingungen verschlechtert,
die Konkurrenz um die knappen Frequenzen sei härter geworden.
So werden heute nicht nur öffentlich-rechtliche sowie lokale
und regionale kommerzielle Privatsender verbreitet. Ein landesweiter
privater Jugendsender ist ebenso dazugekommen wie Lernradios, mit
denen sich manche freien Radios die Frequenzen teilen müssen.
Dass so genannte Spartenradios wie das Klassikradio noch vor ihnen
berücksichtigt würden, ärgert die freien Radiomacher
gewaltig. In manchen Gebieten wie im Bodenseeraum oder in Offenburg
gebe es überhaupt keine nicht kommerziellen Sender.
Jetzt verlangen die alternativen Radiobetreiber, dass die Gleichwertigkeit
zwischen öffentlich-rechtlichen, privat-kommerziellen und privaten
nicht kommerziellen Rundfunksendern gesetzlich verankert wird. Außerdem
wollen sie eine flächendeckende Verbreitung des freien Lokalfunks
im Land, eine Verbesserung der Frequenzen und mehr Geld von der
LfK. Bis jetzt erhalten sie etwa zehn Prozent der Haushaltsmittel
der LfK, sie halten 15 Prozent für angemessen.
Die LfK bekenne sich zu den nicht kommerziellen Radios, sagt Andreas
Hamann, der bei der Landesanstalt das Projekt freie Radios leitet.
Die Veranstalter hätten in der zu Ende gehenden Lizenzperiode
"gute Arbeit geleistet", die honoriert werden solle. Er
lobt besonders, dass bei den freien Radios fremdsprachige Gruppen
wie Migranten zu Wort kämen und "hochinteressante Entwicklungen
in der Musik" verbreitet würden.
Vom Lob allein können sich die alternativen Radiomacher aber
nichts kaufen. So schlecht sei die Ausstattung nicht, findet die
LfK. Ein Sender mit einer 24-Stunden-Lizenz bekomme 50 000 Euro
im Jahr, dazu Extrageld, wenn zum Beispiel die Technik ausfallen
sollte. Die Veranstalter würden sich dagegen 70 000 Euro wünschen,
so viel gebe es in Hessen. Zu Beginn der neuen Lizenzperiode, also
von 2004 an, kündigt Hamann eine neue Förderung für
die inhaltliche Weiterentwicklung und die Fortbildung der Mitarbeiter
an. Wie hoch sie sein soll, sei noch nicht klar. In den nächsten
Jahren werde aber "ein ordentlicher Betrag" bereitgestellt,
zum Beispiel als Komplementärmittel für EU-Projekte.
Die LfK bemühe sich auch, die Reichweiten der Sender zu verbessern.
Allerdings dürfe dies nicht zu Lasten kommerzieller Privatsender
gehen. Die LfK sei verpflichtet, für kommerzielle Sender wirtschaftlich
tragfähige Sendegebiete auszuweisen, diese dürften nicht
beschnitten werden. Allerdings sei es nach wie vor möglich,
durch Umkoordinierung von Frequenzen die Reichweiten zu erhöhen.
Hamann nannte Stuttgart als Beispiel. Dort sende jetzt das freie
Radio auf einer anderen Frequenz und könne so eine Million
Hörer erreichen.
Originalquelle im Internet:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/439174
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